Archiv 2015/16

Märchenoper mit geflüchteten Kindern aus Adlershof/IB Radickestraße und der Neuköllner Oper

Die andere, die neue Kultur kennenlernen, Ähnlichkeiten und Unterschiede benennen, aus dem Entdeckten Neues schöpfen, der Realität für kurze Zeit entfliehen – mithilfe der Grimm’schen Märchen und mehrerer Workshops gelingt das spielerisch.

Red Caps

Neun Kinder zwischen 10 und 13 Jahren stehen schon vor Beginn des Workshops erwartungsvoll und gespannt vor der Tür des Seminarraumes des Übergangswohnheims. (…) Spielfreudig entdecken sie das Märchen von Rotkäppchen und entwickeln daraus ihre eigene Performance. In dieser tritt ein gelangweilter Wolf auf, der lieber Computer spielt, eine arabische Omi, die Seifenblasen pustet und zwei Rotkäppchen, die sich cool die ‚red caps’ nennen. In den drei Tagen begegnen sich die Wölfe und die ‚red caps’ auf unterschiedliche Weisen: vorsichtig, aber auch neugierig, ängstlich sowie mutig, hinterhältig und auch liebenswert. Daraus ist ein Tanz entstanden, eine tänzerische Begegnung zwischen Wolf und Rotkäppchen. Tanz und Szene durften (…) auf der großen Bühne in der Neuköllner Oper präsentiert werden.” (Kristina Röhl)

Ein Wiedersehen aller Workshop-Teilnehmer*innen fand samt Eltern und Geschwistern zum Opernbesuch GRIMM – Die wirklich wahre Geschichte von Rotkäppchen und ihrem Wolf statt.
In den Winterferien 2016 kamen viele der jungen Teilnehmer*innen zum Workshop Ich wünschte, ich wäre… erneut zusammen, in den Osterferien ging das gemeinsame Märchenerfinden mit musikalischen Einlagen weiter.

Künstlerische Leitung

Kristina Röhl (Theaterpädagogin)

Partner*innen

Geflüchtete Kinder und Jugendliche aus Adlershof (Übergangswohnheim Radickestraße)
Andreas Altenhof (Direktor Neuköllner Oper),
Marta Hewelt (Geschäftsführung Neuköllner Oper),
Romy Powils (Sozialarbeiterin)
Anja Hiller (Leitung Übergangswohnheim Radickestraße)


Die Neuköllner Oper hat sich als viertes und kleinstes Opernhaus Berlins für zeitgenössisches Musiktheater etabliert. Seit 1972 entstehen dort Werke für ein Musiktheater, das stets innovativ auf aktuelle und gesellschaftliche Prozesse reagiert und seit seinem Bestehen über 160 Erst- und Uraufführungen produziert hat. Entstanden ist sie aus dem Willen, die Gattung „Oper“ so lebensnah wie möglich zu zeigen. Gegründet wurde die Neuköllner Oper durch den Komponisten und Kirchenmusiker Winfried Radeke. Heute leitet sie ein dreiköpfiges Direktorium aus Bernhard Glocksin, Laura Hörold und Andreas Altenhof. Die Themen ihrer Stücke – 8 bis 10 Uraufführungen pro Jahr – findet die Neuköllner Oper buchstäblich auf der Straße. Mitten in Berlins vitalstem Bezirk gelegen, prallen vor der Haustür unterschiedlichste Lebensentwürfe, Schicksale und kulturellen Traditionen aufeinander. Zudem sind die Auswirkungen gesellschaftlicher Entwicklungen in Berlins klassischem Einwanderungsstadtteil besonders stark spürbar.

Das Übergangswohnheim Radickestraße in Berlin-Adlershof bietet eine Unterkunft für 210 Geflüchtete, davon sind momentan ca. 90 Kinder und Jugendliche. Sie kommen derzeit überwiegend aus Syrien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kosovo, Tschetschenien, Turkmenistan und Afghanistan. Träger der Einrichtung ist der Internationale Bund. Das ehemalige Hotel wurde im Juni 2014 als Übergangswohnheim eröffnet. Für die meisten Bewohnenden ist es die zweite Unterkunft, nachdem sie das Erstaufnahmewohnheim bzw. die Notunterkunft verlassen durften. Die Geflüchteten leben hier in der Regel so lange bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben oder aufgrund von Ablehnung ihres Asylantrages in ihr Herkunftsland zurückkehren müssen. Dies kann mehrere Monate oder auch Jahre dauern.