Neuköllner Oper – IB Radickestraße

Mit MONDIALEs DAMENTHEATER und der Filmproduktion BEROLINA AIRPORT HOTEL entwickelt sich die Zusammenarbeit von Bewohner*innen des IB Radickestraße mit der Neuköllner Oper im dritten Projektjahr spannend weiter

 

MONDIALEs DAMENTHEATER
März 2017: Acht Frauen kommen im Seminarraum des IB Radickestraße zusammen. „Lass‘ uns mit Yoga beginnen“, ergreift eine Teilnehmerin die Initiative. Anschließend geht es um Wahrnehmungssensibilisierung mittels der „Spiegelübung“, mit erstaunlicher Steigerung der Genauigkeit. Schließlich Selbstreflexion: Als Hilfestellung/Ausgangspunkt werden Ansichtskarten ausgelegt. Jede Teilnehmerin wählt sich das ihr gegenwärtig gemäßeste Motiv und schreibt die Gedanken dazu auf. Gedankenaustausch im Anschluss.

April 2017: Einladung zu „concert & more“. Ab 18 Uhr füllt sich die Remise der Neuköllner Oper in der Uthmannstraße, etwa 40 Frauen sind am Ende zu Gast zu dem gemeinsam geplanten festlichen Come Together mit Konzert, Buffet und Tanz. Es sind neben den Künstlerinnen Illay Chester, Alba Sanquirico und Vivianne Bewohnerinnen des IB Radickestraße sowie des Heimes im ehemaligen C&A auf der Karl-Marx-Straße und Freundinnen mit und ohne migrantische Geschichte. Das tat gut! Nächstes öffentliches Event in Planung: Lesung/Vortrag am 5. Mai, wieder in der Remise (Uthmannstraße 12) – bitte vormerken!

MONDIALEs DAMENTHEATER: Rollenwechsel – wer war ich? wer bin ich? wer will ich sein?
Unter dieser rahmengebenden Fragestellung soll ein handlungsbetontes Begegnungsformat geformt werden, das auch – aber keineswegs nur – performative Elemente enthält. Nicht geht es um die Zielorientierung einer Präsentation vor geladenem Publikum, sondern um die prozessorientierte Bildung und Ausformung selbstbewusster und orientierender Teilhabe und Aneignung. Neben regelmäßigen Workshops zwei Mal im Monat, werden Ausflüge/Aktionen geplant, die einerseits die Stadt erschließen, andererseits den Gemeinschaftsgeist ausbilden. Dazu gehören auch ganz alltäglich erscheinende Dinge wie Kochen, Kino, Theater und Diskussionen, die das einander Kennenlernen wirklich machen.

Die Proben und Workshops finden in der Unterkunft in Adlershof statt. Jeder Workshop beginnt und endet mit einem gemeinsamen Ritual. Nach einem Aufwärmen ist beim ersten Treffen im Februar das neue Format vorgestellt worden, Erwartungen und Vorschläge wurden gesammelt. Dabei kamen neben dem Interesse am Theater spielen ganz praktische Dinge auf den Tisch – bspw. besteht der große Wunsch, gemeinsam das Radfahren zu lernen und zu üben. “Special Events”, wie bspw. Lesungen und Musikverantstaltungen, werden zusätzlich in der Remise in Neukölln stattfinden inklusive der Öffnung der jeweiligen Veranstaltung für Freund*innen und auch Bewohner*innen aus der Notunterkunft in der Karl-Marx-Straße.

Künstlerische Leitung: Kristina Röhl (Theaterpädagogin)

BEROLINA AIRPORT HOTEL
April 2017: Die Kooperation mit „Alex TV“ ist perfekt, das Film-Equipment wird übergeben, die Dreharbeiten beginnen. Noch vor Ostern ist damit die erste von drei Drehphasen abgeschlossen. Wenn alles fertig ist und der Final Cut erfolgt, wird es eine feierliche Filmpremiere geben, voraussichtlich im Oktober. Herzliche Einladung!

Berolina Airport Hotel
Auf Wunsch der Heimleitung und durch die Besserstellung des Gesamtfördervolumens ermöglicht, möchten die Projektpartner ein dokumentarisches Filmprojekt umsetzen. Ziel ist es, bis Ende Oktober einen künstlerisch und technisch hochwertigen Film fertigzustellen, der die Lebenswelt beschreibt, wie sie im und um das Heim wahrgenommen wird – von geflüchteten Frauen, Männern, Mädchen und Jungen, Sozialarbeiter*innen, dem Wachschutz… Derzeit laufen die Recherchen und Erstkontakte mit möglichen Protagonisten, das Drehbuch wird in Kürze erstellt.

Künstlerische Leitung: Ghafar Faizyar

Partner*innen:
Geflüchtete Frauen und Mädchen aus Adlershof (Übergangswohnheim Radickestraße)
Andreas Altenhof, Benjamin Stein (Neuköllner Oper)
Helena Claßen (Sozialarbeiterin und Theaterpädagogin), Bastian Hagedorn (Sozialarbeiter)
Anja Hiller (Leitung Übergangswohnheim Radickestraße)

Die Neuköllner Oper hat sich als viertes und kleinstes Opernhaus Berlins für zeitgenössisches Musiktheater etabliert. Seit 1972 entstehen dort Werke für ein Musiktheater, das stets innovativ auf aktuelle und gesellschaftliche Prozesse reagiert und seit seinem Bestehen über 160 Erst- und Uraufführungen produziert hat. Entstanden ist sie aus dem Willen, die Gattung „Oper“ so lebensnah wie möglich zu zeigen. Gegründet wurde die Neuköllner Oper durch den Komponisten und Kirchenmusiker Winfried Radeke. Heute leitet sie ein dreiköpfiges Direktorium aus Bernhard Glocksin, Laura Hörold und Andreas Altenhof. Die Themen ihrer Stücke – 8 bis 10 Uraufführungen pro Jahr – findet die Neuköllner Oper buchstäblich auf der Straße. Mitten in Berlins vitalstem Bezirk gelegen, prallen vor der Haustür unterschiedlichste Lebensentwürfe, Schicksale und kulturellen Traditionen aufeinander. Zudem sind die Auswirkungen gesellschaftlicher Entwicklungen in Berlins klassischem Einwanderungsstadtteil besonders stark spürbar.

Das Übergangswohnheim Radickestraße in Berlin-Adlershof bietet eine Unterkunft für 210 Geflüchtete, davon sind momentan ca. 90 Kinder und Jugendliche. Sie kommen derzeit überwiegend aus Syrien, Bosnien-Herzegowina, Serbien, Kosovo, Tschetschenien, Turkmenistan und Afghanistan. Träger der Einrichtung ist der Internationale Bund. Das ehemalige Hotel wurde im Juni 2014 als Übergangswohnheim eröffnet. Für die meisten Bewohnenden ist es die zweite Unterkunft, nachdem sie das Erstaufnahmewohnheim bzw. die Notunterkunft verlassen durften. Geflüchtete Menschen leben hier in der Regel so lange bis sie eine eigene Wohnung gefunden haben oder aufgrund von Ablehnung ihres Asylantrages in ihr Herkunftsland zurückkehren müssen. Dies kann mehrere Monate oder auch Jahre dauern.