Workshop #6 | dérives 2. Teil 

Sobald der Workshop beginnt, merke ich, dass meine Vorüberlegungen unwichtig sind. In dem Moment, in dem ich die Kinder treffe, verschwindet die Ausgangslage, die ich vorher versucht habe zu überspringen. Denn ich treffe einfach Kinder, die neugierig und voller Erwartung sind, und ich bin eben diejenige, die ein Angebot macht. Die Verkleidung kommt trotzdem gut an, obwohl wir eher als feine Damen als als Forscher_innen raus gehen. Auch läuft die Forschermission etwas anders ab: Erst mal wird weniger die Umgebung entdeckt, als man selbst in der Umgebung, man selbst fotografiert an jeder Ecke. So wird es mit dem Aufhängen der Bilder nichts, und wir machen am zweiten Tag nochmals ein dérive. Am Ende sind zwischen Spielen, Spazierengehen und Gesprächen viele Fotos, Selfies, Tonaufnahmen und Straßenmalereien entstanden – und der Raum wurde anders als geplant entdeckt und eingenommen. Und ich habe den Eindruck, dass die Kinder bei dieser Tour durch die Verkleidungs-Brillen letztlich auch mit anderen Augen geguckt haben. 

Künstlerin Hannah Baumann