Workshop #1

Workshop #1

ZEIGEN, SPRECHEN, SCHREIBEN
02.10.2015

 

Gemeinsam mit acht Kindern machen sich zwei Künstler_innen von Moabit auf den Weg in die Gruppenausstellung WELCOME TO THE JUNGLE der KW. In der U-Bahn reagieren die anderen Passagiere offen und hilfsbereit auf die Gruppe. Auf dem letzten Stück vom Nordbahnhof in die Auguststraße, welches zu Fuß zurückgelegt wird, ändert sich dies. Die „anderen“ Passant_innen – aus Berlin Mitte – unterscheiden sich von der Gruppe: andere Kleidung, andere Bewegungsweisen, andere Mimik, andere Sprache. Es sind kleine Unterschiede. Auf der Oberfläche lassen sich die Teilnehmer_innen der Gruppe dadurch nicht am gemeinsamen Blumen pflücken, Rennen und Singen stören: „Habibi, I love you, Habibi I want you“, „Fuchs du hast die Gans gestohlen ..“.

Die Jüngste der Gruppe entdeckt einen gelben Luftballon in einem Kinderwagen vor einer Kita. Sie will ihn mitnehmen. Eine Frau mit ihrem Kind sieht dies und unterweist das Kind streng mit den Worten, dies ginge gar nicht, wo kämen „wir“ denn da hin. Das Kind aus der Gruppe reicht ihr den Luftballon stumm mit einem Lächeln entgegen. Die Frau nimmt ihn nicht an, sondern deutet nur auf den Kinderwagen. Dorthin legt das Kind den Ballon zurück. Es geht weiter. Die meisten aus der Gruppe erkennen die Tucholskystraße von ihren vorangegangenen Ausflügen und rennen das letzte Stück in den Hof der KW zum Vermittlungsraum. Sie erhalten den Schlüssel und schließen die drei Türen zum Raum auf. Nun gibt es Getränke und ein paar Kleinigkeiten zum Essen. Vollgepackt mit Mal- und Schreibsachen geht es anschließend in die Ausstellung. Der Eingang befindet sich diesmal jedoch im Keller. Überrascht von der Installation MALIBU MOONRISE der österreichischen Künstlerin Marianne Vlaschits betreten die Kinder den Kellerraum mit seiner Badewanne und den auf Pappe aufgemalten Männern. Sie studieren alles sehr gründlich und wollen die Duschseifenpackungen, Plastikgewehre, Plastikbananen und Plastikpalmen berühren. Ein paar Stufen führen hinauf in die BASIS, den Hauptraum der Ausstellung mit seinen zahlreichen Filmprojektionen. Die Arbeit SOUNDFOUNTAIN von Klaus Weber, ein großer Springbrunnen, der Sand statt Wasser versprüht, bildet die größte Attraktion für die Gruppe. Die älteren Jungen wenden sich den einzelnen Filmen zu, setzen Kopfhörer auf und betrachten Arbeiten wie BLIGHT von John Smith und NIGHT SOIL/FAKE PARADISE von Melanie Bonajo. Ein Kind legt sich bäuchlings in die Mitte des Raumes zwischen zwei große Projektionsflächen und malt. Einige wollen länger in der Ausstellung bleiben, andere rennen in den Hof und spielen. Dort fällt ihnen ein, dass sie noch gar keine runden KW Buttonkleber haben, diese farbigen Sticks dienen als Eintrittskarte. Sie gehen zum Tresen und bitten den Guard darum. Dieser nimmt sich die Zeit sie zu fragen, welche Farbe sie wollen. Dazu zieht er sechs Kartons mit den verschiedenen Farben unter dem Tresen hervor und zeigt sie den Kindern. Diese können sich nun in Ruhe für ihre Farbe entscheiden. Zufrieden verlassen sie den Ausstellungsraum. Zum Abschluss sitzt die Gruppe gemeinsam am Tisch im Vermittlungsraum, schreibt und malt. Als dann die Sozialarbeiterin kommt, um die Kinder abzuholen, räumen alle gemeinsam auf. Der Raum sieht danach beinahe unbenutzt aus. Der Künstler drapiert die rosafarbenen Blüten auf dem Tisch.

Mona Jas